Luftaufnahme des Stadtteils Conrebbersweg und der Flächen, die für ein Neubaugebiet angedacht sind

Wohnbedarf – Planungen zu Conrebbersweg-West

Es ist gut, wenn Emden sich entwickelt und es insbesondere jungen Familien ermöglicht wird, sich hier niederzulassen. Der Traum vom eigenen Heim ist bei uns in Ostfriesland besonders ausgeprägt.

Jede Planung braucht gleichwohl eine Grundlage. Bevor wir ein Wohngebiet mit 1,1 km² (mehr als 150 Fußballfelder) ausweisen, ist es sinnvoll zu wissen, ob so viel Wohnraum überhaupt benötigt wird. Zumal ein solcher Schritt große Auswirkungen auf die Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort (u. a. Belastung durch Verkehr und Bautätigkeit) und auf die Natur (u. a. Wegfall einer wertvollen Naturfläche mit allen Konsequenzen) hat.

„Um ein Ziel zu erreichen, ist es notwendig, zunächst den Ausgangspunkt zu kennen.“

Am vergangenen Donnerstag wurde eine Studie zur Wohnraumversorgung und Wohnraumentwicklung unter Einbeziehung sozialer Aspekte der GEWOS Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung GmbH, in den zuständigen Ratsausschüssen vorgestellt. Diese Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2035 ca. 900 Wohneinheiten erforderlich wären. Dies entspricht genau dem Bedarf, der durch abgängige Wohneinheiten entsteht (sogenannter Ersatzbedarf). Es ist aber nicht immer möglich, neue Wohnungen da zu errichten, wo alte Wohnungen wegfallen. Neue Wohnflächen wird es in Emden also geben müssen.

In der Studie sind die Auswirkungen des anstehenden Strukturwandels (u. a. möglicher Rückgang von Arbeitsplätzen durch die Produktionsumstellung im Volkswagenwerk) und verschiedene städtebauliche Maßnahmen (u. a. Baugebiet Petkum, Entwicklung Ültje-Gelände) bisher nicht berücksichtigt. Diese Sachverhalte gilt es jetzt von der Verwaltung nachträglich einzuarbeiten, so dass eine Aussage auf den tatsächlichen Status Quo überhaupt getroffen werden kann.

Das Gutachten bestätigt außerdem, dass vor allem kleine, preisgünstige und seniorengerechte / barrierefreie Wohnungen benötigt werden. In Conrebbersweg-West sind allerdings 90 % Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser und nur 10 % Geschosswohnungen geplant. Nun wäre es auch nicht richtig, nur das anzubieten, wofür Bedarf besteht, denn manchmal schafft ein Angebot auch Nachfrage. Gleichwohl ist das geplante Angebot nach meiner Auffassung insgesamt überdimensioniert. Negative Marktauswirkungen (u. a. Leerstände, Preisverfall) wären die Folge.

Welche Standortalternativen gibt es?

Wenn bekannt ist, in welcher Größe neue Wohngebiete benötigt werden, kann geplant werden, wo in Emden dieser neue Wohnraum entstehen soll. Laut den Planungen der Stadtverwaltung sollen in Conrebbersweg-West vor allem junge Familien wohnen können. Diese jungen Familien müssen sich die Wohngrundstücke und die Baukosten aber auch leisten können. Dies gilt auch für Menschen, die auf preisgünstiges Wohnen angewiesen sind.

In den aktuellen Planungen gibt es allerdings sehr viele Punkte, die diese Kosten in die Höhe treiben werden (z. B. aufwendige Baugrundvorbereitung, umfangreiche naturschutzrechtliche Kompensationsmaßnahmen, Kosten für den Bau der Bahnkreuzung, Lärmschutzmaßnahmen). Ich befürchte daher, dass junge Familien und finanziell schwächere Menschen in Conrebbersweg-West kein neues zu Hause finden würden. Daher ist zu überlegen, ob es nicht andere Flächen (u. a. in Uphusen, Borssum, Twixlum) in Emden gibt, die besser geeignet sind.

Und einen weiteren Aspekt gilt es zu überlegen: Anstelle eines großen Baugebietes an einer Stelle, sollte die Möglichkeit des Bauens an mehreren Standorten in Emden gegeben werden.

Ein Beispiel: Wenn ich in Twixlum aufgewachsen bin, möchte ich vielleicht auch gerne in Twixlum meine eigene Familie gründen. Dies hat auch den Vorteil, dass die bei uns vielfach funktionierenden Familienstrukturen genutzt werden können. Oma und Opa, Nachbar*innen, Freunde in der Nähe, erleichtern jungen Familie den Alltag und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erheblich.

Bei einem solch großen Baugebiet müssten auch eine Grundschule sowie eine Kindertagesstätte eingeplant werden. Ein Blick ins Budgetbuch der Stadt Emden zeigt aber deutlich, dass ein solches Vorhaben bei der angespannten Finanzlage eigentlich nicht zu verantworten wäre. Hier würde das Bauen an mehreren Standorten eine Anbindung an die bestehenden Schulen und Kitas ermöglichen.

Auch aus Naturschutzsicht und wegen der Verkehrsanbindung ist der Standort problematisch, um nur zwei Punkte zu nennen. Das Gebiet ist eine der wertvollsten Grünflächen, die Emden zu bieten hat und hat eine immense Bedeutung für eine sehr hohe Anzahl verschiedener geschützter Arten. Insbesondere ist es ein national bedeutsames Gebiet für Brutvögel.

Die geplante Verkehrsanbindung als höhengleicher Bahnübergang im Rangierbereich der Bahn wird zu erheblichen Verkehrsproblemen führen. Auch aus diesen Gründen ist zu fragen, ob ein Bau an anderer Stelle nicht besser wäre.

Verbesserungsmöglichkeiten

Wenn es tatsächlich keine besser geeignete Fläche in Emden gibt, ist das Gebiet zumindest so zu verkleinern, dass es dem tatsächlichen Bedarf entspricht. Der Bau des Wohngebietes sollte außerdem Stück für Stück von der Autobahn aus erfolgen, um die Anwohner*innen in Alt- und Neu-Conrebbi möglichst wenig durch Staub, Lärm und Erschütterungen zu belasten. Zur Verkehrsanbindung sind Alternativen zu prüfen. Der bestehende Radweg und vor allem der Spielplatz müssen erhalten bleiben.

Das Wohnen in Conrebbersweg-West kann angenehmer und gemeinwohlverträglicher gestaltet werden. Alles, was zum täglichen Leben gebraucht wird, sollte schnell und möglichst auch ohne Auto erreichbar sein. Es sind Grünflächen und Naherholungsbereiche anzulegen, in denen sich die Bürger*innen und ihre Kinder aufhalten können. Dem Rad- und Fußverkehr ist mehr Raum zu geben, insbesondere durch einen Rad-/Fußweg von Constantia/Larrelt über Conrebbersweg in Richtung Westerhusen. Alle diese Maßnahmen machen nicht nur das Wohnen angenehmer, sondern können auch zu einer Verkehrsminderung beitragen. Dies führt zu weniger Stress auf den Straßen, besserer Luft, weniger Lärm und schützt das Klima.

Emden braucht für alle Bürger*innen lebenswertes Wohnen und eine bedarfsgerechte, nachhaltige Wohnentwicklung. Die Emderinnen und Emder verdienen es, bei den dafür notwendigen Planungen frühzeitig und umfassend durch geeignete Formate der Bürgerbeteiligung eingebunden zu werden. Dafür werde ich mich einsetzen.

Andere Sichtweisen? Ideen? Anregungen? Wie immer gilt: ich freue mich über Input via E-Mail, Facebook oder im persönlichen Gespräch.

Hermann-Neemann-Straße 48
26725 Emden