Die Zukunft unserer Innenstadt

Themenschwerpunkt: Liebenswerte, lebendige Innenstadt.

Nach der Standortbestimmung (Bestandsaufnahme Emden heute) und der Vision für unser Emden der Zukunft, werde ich mich in den kommenden Wochen einem detaillierten Überblick zu den Themen „Leben & Wohnen“ sowie „Arbeit & Wirtschaft“ widmen. Den Anfang macht heute der Themenschwerpunkt „liebenswerte, lebendige Innenstadt“.

Die grundsätzliche Frage lautet:
Wie gelingt es uns, die Innenstadt attraktiver zu gestalten, so dass es Spaß macht, dort viel Zeit zu verbringen?

Wenn man heute etwas erfolgreich vermarkten möchte, ganz gleich ob es ein Produkt ist oder die Attraktivität einer Innenstadt, dann stellt man unweigerlich die Frage nach dem Alleinstellungsmerkmal. Was ist das Pfund mit dem Emden wuchern kann? Wofür setze ich mich in Bewegung und komme nach Emden in die Innenstadt?

„Wasser“ und „Kunst“ lautet darauf nicht nur meine Antwort. Meiner festen Überzeugung nach sind wir Emder*innen gut beraten, wenn wir uns auf unsere Stärken konzentrieren, statt dass wir krampfhaft versuchen, unsere Schwächen auszubügeln. Ja, wir haben Schwächen. In der Emder Innenstadt fehlen beispielsweise große Verkaufsflächen in 1A-Lage (Geschäftslage im Zentrum einer Stadt mit der höchsten Passantenfrequenz) und unsere geographische Lage, umgeben von viel Wasser, hat Einfluss auf die Kaufkraft, die bei jeder Ansiedlungsentscheidung ein wesentlicher Faktor ist. Gleichzeitig erleben wir im stationären Einzelhandel einen Strukturwandel und auch große Städte haben heute mit Leerständen zu kämpfen. Die „Neutor-Arkaden“ (ehemalige Kaufhalle) sind ein sehr wichtiger und begrüßenswerter Baustein der Stadtentwicklung, der die genannten Defizite gleichwohl nicht kompensieren wird. Auch die Umgestaltung des „Marktplatzes“ ist ein Schritt in die richtige Richtung und ich wünsche mir, dass vor dem Hintergrund des „Neutor-Arkaden-Parkhauses“ die Chance genutzt wird, den Marktplatz autofrei zu gestalten.

Wenn wir dem Tourismus in Emden mehr Raum und einen höheren Stellenwert geben, dann wird das nicht nur einen positiven Einfluss auf Hotellerie und Gastronomie haben, sondern insgesamt den Einzelhandel beleben. Die Ansiedlung kleinerer Geschäfte, die den touristischen Bedarf decken, bringt eine gesteigerte Attraktivität mit sich, die auch die Emder*innen in die Innenstadt zieht, um ihren Bedarf zu decken. Meines Erachtens sind Hotellerie und Gastronomie in Emden in den letzten Jahren deutlich in Vorleistung gegangen und haben neue, attraktive Angebote geschaffen. Jetzt ist es an Rat und Verwaltung dieses zu unterstützen und für entsprechende Besucherfrequenz in der Stadt zu sorgen. Dazu gehört eine funktionierende Infrastruktur (u. a. Busparkplätze) genauso wie attraktive Veranstaltungen und innovative Ideen, die Lust machen, Zeit in der Innenstadt zu verbringen.

#verEMDERung wagen

Seit vielen Jahren wird immer wieder die Sperrung der Neutorstraße kontrovers diskutiert. Meines Erachtens können wir das den Anwohnern in der Friedrich-Ebert-Straße und der Nordertorstraße ohne deutlich verändertes Verkehrskonzept nicht zumuten. Es gibt viele Städte in Europa, die mit dem Ansatz „Autos in der Innenstadt nur dort, wo sie wirklich gebraucht werden“ gute Erfahrungen gemacht haben. Davon konnte ich mich beispielsweise in Ljubljana überzeugen, die durch eine autofreie Innenstadt nicht nur die Luftqualität verbessert, sondern auch den Einzelhandel belebt und den Zuzug in die Stadt erhöht haben. Wagen wir uns doch auch einmal etwas: Beginnen wir doch damit, eine Achse zwischen dem Stadtgarten und den vielen großartigen, neuen Angeboten am Hafentor zu schaffen. Die Straße „Am Delft“ könnte dauerhaft zwischen dem Hafentor und dem Rathausplatz gesperrt werden. Hier könnte eine wunderschöne Promenade, ähnlich den skandinavischen Städten entstehen, die beispielsweise an zwei Stellen durch eine bauliche Anpassung den Zugang zum Wasser ermöglicht. Auch ergeben sich so ganz andere Möglichkeiten für die Entwicklung der diversen Innenstadtveranstaltungen vom „Matjesfest“ bis zum „Engelke-Markt“. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich auch hier ein angepasstes Verkehrs- und Parkkonzept.   

1. Emder Repair-Café im Januar 2019

Mit der „Kunsthalle Emden“ haben wir Emder*innen ein „Ass im Ärmel“, welches wir gar nicht hoch genug ausspielen können. „Kunst in der ganzen Stadt“ ermöglicht den Brückenschlag von der Kunsthalle in die Innenstadt. Wenn die ganze Stadt zu einem Kunsterlebnis wird, dann steigert auch das die Besucherfrequenz und Attraktivität. Zugegeben: Ein solches Konzept zu verwirklichen kann bei der derzeit gegebenen Haushaltslage nicht alleinige Aufgabe von Stadtrat und Verwaltung sein. „Glockenspiel“, „Delftspucker“ und viele weitere Beispiele zeigen aber, wie groß das bürgerliche Engagement auch in diesem Bereich Emdens ist. Der Weg zu einer Emder Bürgerstiftung, die sich die Steigerung der Lebensqualität zur Aufgabe macht, ist meines Erachtens ein kurzer.

Effiziente Wirtschaftsförderung

Mit der Etablierung einer Citymanagerin bei der Emder Marketing und Tourismus GmbH werden wir dem Thema Leerstandsmanagement und „Belebung der Innenstadt“ die Aufmerksamkeit widmen, die es verdient hat. Das Engagement der Werbegemeinschaft „Schaufenster Emden“ für ein Bündnis aus Vermietern, Einzelhändlern und Wirtschaftsförderung ist in diesem Zusammengang sehr begrüßenswert und verdient vollste Unterstützung. Auch das Stadtmarketing ist für mich eine Form der Wirtschaftsförderung und damit ist es sachlogisch geboten, zu überprüfen, ob die gegebenen Strukturen mit dem Dreiklang aus „Stadtentwicklung“, „Zukunft Emden GmbH“ und „Emder Marketing und Tourismus GmbH“ effizient und schlagkräftig aufgestellt sind.

Emden hat eine vielfältige Kultur- und Veranstaltungsszene und leistet sich ein entsprechend hohes Kulturbudget. Dieses zahlt gleichwohl auch auf die Attraktivität der Innenstadt ein und sorgt für entsprechende Besucherfrequenz. Gleiches gilt für die diversen wunderbaren Veranstaltungen (Filmfest, Hafenmeile, Präventionstag, Freilichttheater u. a.) in der Stadt. Vor dem Hintergrund unserer Haushaltslage komme ich zu der Erkenntnis, dass der Erhalt, die Entwicklung und die Sanierung (z. B. Neues Theater) bestehender „Kulturräume“ derzeit Priorität vor dem Schaffen von neuen Kulturräumen haben. Für die Weiterentwicklung und Wiederbelebung von Veranstaltungen (z. B. Lampionfahrt) werde ich mich einsetzen.

Die Emder Innenstadt hat viel Potenzial. Mit klugen Entscheidungen, dem Mut etwas zu wagen und zupackenden Händen, können wir dieses Potenzial heben.

Andere Sichtweisen? Ideen? Anregungen? Wie immer gilt: ich freue mich über Input via E-Mail, Facebook oder im persönlichen Gespräch.

Hermann-Neemann-Straße 48
26725 Emden